Auch durch Stoffeinträge und physikalische Einwirkungen, zum Beispiel Verdichtung, Versiegelung, Vermischung, werden die natürlichen Bodenfunktionen beeinträchtigt. Böden sind in menschlichen Zeiträumen nicht erneuerbar, daher ist ein nachhaltiger Umgang mit ihnen unverzichtbar.
Bodenveränderungen durch Siedlungstätigkeit
Der Begriff „Flächenverbrauch“ ist vielfach ein Synonym für „Bodenverbrauch“. Gemeint ist meist die Umwandlung von Freifläche in Siedlungs‐ oder Verkehrsfläche. Im Zuge solcher Inanspruchnahmen kommt es oft zu Beeinträchtigungen einzelner Bodenfunktionen bis hin zum totalen Funktionsverlust.
Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlief das Siedlungswachstum deutlich langsamer. Danach haben die Böden aufgrund der immer produktiveren Landwirtschaft und steigender Lebens‐ und Futtermittelimporte ihre Bedeutung als regionale Nahrungs‐ und Erwerbsgrundlage zunehmend verloren. Gleichzeitig stieg der Wohnflächenbedarf pro Kopf, sowie der Flächenbedarf für Industrie, Gewerbe und Infrastruktur. Dies hat traditionelle Hemmschwellen beseitigt, so dass lange Zeit der Bedarf an Siedlungsflächen durch die Inanspruchnahme qualitativ hochwertiger Böden im Umfeld der Ortschaften gedeckt wurde.
Bodenveränderungen durch Stoffe und Erosion
Neben der Veränderung durch Siedlungstätigkeit entstehen schädliche Bodenveränderungen auch durch den Eintrag von Schadstoffen, wie zum Beispiel Schwermetalle, Lösemittel und polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe. Eine weitere Ursache sind bodenfremde Stoffe, zum Beispiel Bauschutt, Trümmerschutt, Brandrückstände. Aber auch Versiegelung, Verdichtung und Erosion können Böden schädigen.
Durch das lange „Gedächtnis“ des Bodens sind wir heute noch mit Problemen konfrontiert, deren Ursachen häufig bereits in früheren Zeiten zu suchen sind. Der sorglose Umgang mit Schadstoffen oder der Eintrag von sonstigen bodenfremden Stoffen bewirkt, dass die Bodenfunktionen ganz oder teilweise zerstört werden.
Stellenweise hohe Schadstoffgehalte, die oftmals bis in mehrere Meter Tiefe reichen, sind vielfach im Bereich von Altlasten zu finden. Dazu zählen Altstandorte, etwa in den Industriegebieten, wo früher ohne die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen mit boden‐ und wassergefährdenden Stoffen umgegangen wurde, aber auch Altablagerungen wie Deponien oder Auffüllungen im Stadtgebiet.
Nachhaltige Bodenutzung in Stuttgart
Als Folge davon wurden immer mehr Böden mit noch intakten natürlichen Funktionen zerstört. Die Landeshauptstadt Stuttgart verfolgt eine nachhaltige Stadtentwicklung. Das bedeutet auch, dass der rasante Flächenverbrauch reduziert wurde und die Bodeninanspruchnahme in Richtung einer haushälterischen Bodenbewirtschaftung gesteuert wird.
Umgesetzt wird dies mit den beiden Projektansätzen Bodenschutzkonzept Stuttgart (BOKS) des Amts für Umweltschutz sowie Nachhaltiges Bauflächenmanagement Stuttgart (NBS) des Amts für Stadtplanung und Wohnen. Beide Projekte wirken zusammen und ergänzen sich.
In Stuttgart wird durch verstärkte Innenentwicklung, das heißt Nachverdichtung sowie Revitalisierung brachliegender und oftmals belasteter Flächen, eine Schonung wertvoller und intakter Böden im Außenbereich erreicht. So wird die Inanspruchnahme von Böden verringert und in nachhaltige Bahnen gelenkt.