Zuvor hatten Gesundheitsamt, das Klinikum Stuttgart und die Stuttgarter Ärzteschaft über die prekäre hausärztliche Versorgungssituation sowie Verbesserungsmöglichkeiten berichtet. Ohne Gegenmaßnahmen zeichnet sich nämlich ein negativer Trend ab. So sind derzeit über 60 Hausarztsitze im Mittelbereich Stuttgart nicht besetzt, und über 40 Prozent der Hausärzte sind 60 Jahre alt und älter. Mangels ambulanter Termine bei der Haus‐ und Kinderärzteschaft nimmt eine Fehlinanspruchnahme der Notaufnahmen zu, mit teils langen Wartezeiten.
Die Bürgermeisterin für Soziales, Gesundheit und Integration, Dr. Alexandra Sußmann, macht deutlich: „Die hausärztliche Versorgung steht vor großen Herausforderungen. Auch wenn die Sicherstellung der ambulanten ärztlichen Versorgung in der Verantwortung der Kassenärztlichen Vereinigung liegt, müssen wir jetzt gemeinsam nach geeigneten Lösungsansätzen suchen, um die medizinische Grundversorgung unserer Bürgerinnen und Bürger auch in Zukunft gewährleisten zu können.“
Daran arbeitet das Gesundheitsamt derzeit gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Ärzteschaft. Als mögliche Optionen wurden unter anderem diskutiert: Die Ausweitung des städtischen Förderprogramms zur Ansiedlung von Hausärztinnen und Hausärzten, die Gründung eines Weiterbildungsverbunds sowie die Einrichtung eines Innovationsbudgets für Projekte wie telemedizinische Angebote.
Der Vorstand des Klinikums Stuttgart, Professor Jan Steffen Jürgensen, appelliert auch an die Landespolitik: „Voraussetzung für die Niederlassung von Ärztinnen und Ärzten ist, dass es zunächst überhaupt ärztliche Fachkräfte in ausreichender Zahl gibt. Altersbedingt scheiden viele erfahrene Ärztinnen und Ärzte in den nächsten Jahren aus. Schon heute sind circa 1000 Hausarztsitze in Baden‐Württemberg unbesetzt – mit steigender Tendenz. Eine entscheidende Maßnahme – in diesem Punkt sind sich Ärztekammern, Bundesgesundheitsministerium und Kommunen einig – ist die Erhöhung der Zahl der Studienplätze. Stuttgart hat mit dem Klinikum Stuttgart und dem Robert Bosch Krankenhaus ideale Voraussetzungen, angehende Medizinerinnen und Mediziner auf höchstem Niveau zu qualifizieren. Denn klar ist auch: Nach dem Studium verbleiben viele der klugen Köpfe in der Region.“
Der Vorsitzende der Stuttgarter Ärzteschaft, Dr. Markus Klett, unterstreicht die Dringlichkeit: „Es ist entscheidend, dass wir Stuttgarter Hausärztinnen und Hausärzte darin unterstützt werden, die hausärztliche Versorgung der Patientinnen und Patienten auch in Zukunft sicherstellen zu können. Dazu bedarf es einer Kraftanstrengung aller Beteiligten.“
Um die Perspektive möglichst vieler Stuttgarter Hausärztinnen und Hausärzte berücksichtigen zu können, plant das Gesundheitsamt eine stadtweite Online‐Umfrage unter der Hausärzteschaft. Die zuständige Gesundheitsplanerin, Christina Cyppel, sagt: „Wir wollen gemeinsam mit der Ärzteschaft passgenaue Lösungen entwickeln.“
Die Stadt unterstützt auch die Forderung aus dem Klinikum Stuttgart: „Regionen mit Medizinstudienplätzen haben nachweislich eine bessere medizinische Versorgung. Diese Chance sollten wir als Landeshauptstadt nutzen“, sagt Dr. Sußmann.
Der Sozial‐ und Gesundheitsausschuss hat die möglichen Lösungsansätze in seiner Sitzung vom 27. Januar beraten. Was davon umgesetzt werden kann, wird im Rahmen der kommenden Haushaltsplanungen entschieden.