Nahversorgung konkret - Handlungskonzepte für Stadtteile und Stadtquartiere ohne Lebensmittelversorgung

In der Landeshauptstadt Stuttgart wohnen etwa 77 % der Bevölkerung fußläufig (d. h. in einem Entfernungsradius von 500 m) in einem Einzugsgebiet von einem Lebensmittelgeschäft (Stand 2014). Im Umkehrschluss heißt dies, dass die verbleibenden 23 %, also über 130.000 Stuttgarterinnen und Stuttgarter, laut Definition nicht fußläufig nahversorgt sind. Ein fußläufig erreichbarer Lebensmittel-Einzelhandel ist Bestandteil der kommunalen Daseinsvorsorge. Insbesondere für nicht-mobile Bevölkerungsgruppen, darunter oft ältere Menschen, besteht die Notwendigkeit eine fußläufige Versorgung zu gewährleisten. Der fortschreitende demografische Wandel verstärkt dieses Erfordernis. Ein fußläufig erreichbarer Lebensmittelbetrieb hat zudem eine identitätsstiftende, soziale und kommunikationsfördernde Funktion für das jeweilige Quartier. Er übt eine Magnetwirkung auf andere ergänzende Nahversorger (Bäcker, Metzger, Bank, Friseur etc.) und gegebenenfalls weitere Zentrumsfunktionen aus.
Durch die aktive planerische Steuerung des Einzelhandels sowie durch das intensive Engagement des Stadtteilmanagements der städtischen Wirtschaftsförderung konnte die Nahversorgung in den letzten Jahren an zahlreichen Standorten der Stadt gesichert oder sogar fortentwickelt werden. Andere Standorte verloren hingegen ihr Nahversorgungsangebot, allen voran die Nahversorgungsbereiche mit bereits geschlossenen BONUS-Lebensmittelmärkten aufgrund der geänderten staatlichen Arbeitsmarktförderung.

In 2014/15 wurden in Stuttgart stadtteil- und quartiersbezogene Handlungskonzepte zur Aufrechterhaltung bzw. Entwicklung von Angeboten zur wohnungsnahen Lebensmittelversorgung an nicht-versorgten bzw. strukturell unterversorgten Standorten im Stadtgebiet erarbeitet. Von den Stadtquartieren in der Landeshauptstadt Stuttgart, die nicht-versorgt, strukturell unterversorgt oder in ihrer Versorgung gefährdet sind, wurden exemplarisch zehn Handlungsräume ausgewählt. Die zehn spezifischen Handlungskonzepte zeigen für die unterversorgten Stadtteile bzw. Stadtquartiere konkrete Handlungsmöglichkeiten zur Aufrechterhaltung bzw. Entwicklung von Nahversorgungsangeboten auf. Da größere Flächenpotenziale in den Handlungsräumen in der Regel nicht vorhanden sind und auch der Bedarf nach großflächigen Lebensmittelmärkten durch die ortsansässige Bevölkerung in der Mehrheit nicht besteht, beziehen sich die örtlichen Empfehlungen auf die Aufrechterhaltung und Etablierung kleinflächiger Lösungen und alternativen Nischenkonzepten.
Einen besonderen Stellenwert nimmt in den vorgeschlagenen Handlungskonzepten die Prüfung der Weiterentwicklung der kommunalen Rahmenbedingungen für die Arbeitsmarkt- bzw. SGB-geförderten Lebensmittelmärkte zum Zwecke der Verbesserung ihrer Rentabilität und zum Erhalt ihrer Ergänzungsfunktion zur Lebensmittel-Nahversorgung an für den herkömmlichen Einzelhandel nicht-rentablen Standorten ein. In einzelnen defizitären Handlungsräumen wurden Empfehlungen zur mobilen Lebensmittelversorgung ausgearbeitet, da die Verbesserung der stationären Versorgung nicht möglich ist. Einige der erarbeiteten Empfehlungen wurden bereits durch das Stadtteilmanagement prozessbegleitend umgesetzt.

Seit 2016 stellt der Gemeinderat in den Doppelhaushalten je 100.000 € für das Förderprogramm Nahversorgung konkret zur Umsetzung der in den Handlungskonzepten Nahversorgung konkret beschlossenen Maßnahmen zur Verfügung. Damit konnte das Pilotprojekt "Bonusmarkt light" in Stuttgart-Wolfbusch, das eine große Nahversorgungslücke schließt, initiiert und unterstützt werden. Weiterhin erhielt auch der kleine Lebensmittelladen in Untertürkheim-Luginsland einen Investitionskostenzuschuss, wo durch die Schließung des Vorgängermarktes eine Nahversorgungslücke bestand. Darüber hinaus wurden den oftmals kleinen "Frischehändlern" in den Stadtteilen besondere Beratungsangebote unterbreitet sowie gemeinsame Marketingaktionen durchgeführt. Die städtischen Mittel aus dem Förderprogramm Nahversorgung konkret stehen stadtweit bereit. Vorrangig gefördert wird die Entwicklung von Angeboten der Nahversorgung an nicht-versorgten, strukturell unterversorgten oder in ihrer Versorgung gefährdeten Standorten.

Nahversorgung konkret - Handlungskonzepte für Stadtteile und Stadtquartiere ohne Lebensmittelversorgung - Zusammenfassung (PDF)
Nahversorgung konkret - Handlungskonzepte für Stadtteile und Stadtquartiere ohne Lebensmittelversorgung - Bericht (PDF)