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OB Kuhn würdigt beim Bürgerempfang ehrenamtliches Engagement

11.10.2019 Aktuelles
Der Gemeinderat der Stadt Stuttgart hat in diesem Jahr das Engagement der ehrenamtlich Aktiven im Bereich der Erinnerungskultur in den Mittelpunkt des Bürgerempfangs gestellt. Oberbürgermeister Fritz Kuhn hat dazu am Freitag, 11. Oktober, Bürgerinnen und Bürger, die sich in Stuttgart in unterschiedlichen Feldern für das Gemeinwohl engagieren, in den Großen Sitzungssaal des Stuttgarter Rathauses eingeladen.

OB Kuhn überreicht Ehrenplakette 2019Oberbürgermeister Fritz Kuhn zeichnete Elke Banabak und Harald Stingele mit der Ehrenplakette der Landeshauptstadt Stuttgart aus. Foto: Stadt Stuttgart/Max Kovalenko
In diesem Rahmen überreichte er die Ehrenplakette der Stadt Stuttgart an Elke Banabak und Harald Stingele für ihr beispielhaftes und langjähriges ehrenamtliches Wirken und für ihre Verdienste um das Gemeinwesen. Beide engagieren sich insbesondere bei der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber.

Der Oberbürgermeister sagte: "Es kommt nicht darauf an, wofür man sich freiwillig engagiert, es kommt darauf an, dass man sich engagiert. Für die Stadt ist jedes Engagement wichtig. Dass Stuttgart heute diese weltoffene und lebenswerte Stadt ist, ist zu einem wichtigen Teil dem herausragenden, ehrenamtlichen Engagement der Bürger zuzuschreiben."

Elke Banabak und Harald Stingele erhalten Ehrenplakette für Erinnerungsarbeit

Kuhn zeichnete stellvertretend für die Initiativen Elke Banabak und Harald Stingele für deren Engagement aus und ordnete die Relevanz ihres Engagements in einen größeren, aktuellen Zusammenhang ein. Er sagte: "Vorgestern gab es in Halle diesen schrecklichen terroristischen, antisemitischen Mordanschlag auf eine jüdische Synagoge und die Menschen dort. Es ist nicht von ungefähr, dass wir heute die Ehrenplakette an Menschen verleihen, die sich der Erinnerungsarbeit widmen. Was in Halle geschah, zeigt, wie wichtige ihre Arbeit ist", so Kuhn.

"Wir erleben fast täglich, wie notwendig nicht nur die Erinnerungsarbeit ist, sondern auch, dass wir die Erinnerungsarbeit zuspitzen auf Fragen in der Gegenwart: Wie konnte es sein, dass bei den Nazis so ein Terrorregime entstehen konnte, und genauso wichtig ist es zu fragen, wie kann es sein, dass es heute wieder rechtsnationale, nazistische, antisemitische Initiativen gibt, die sich voller Stolz und voller Häme und voller Gemeinheiten zum Beispiel im Internet austoben." So gehe es etwa bei Beleidigungen von Amtsinhabern nicht nur um die Beleidigung an sich, sondern um die Vorbereitung eines Klimas, aus dem sich dann schreckliche Taten wie von selber zu legitimieren scheinen.

OB Kuhn: Engagement für Gedenkkultur wichtiger denn je

Vor allem die jüngere Generation müsse dafür sensibilisiert werden, wie schnell ein Gemeinwesen zu einem Unrechtsstaat werden kann und warum es wichtig ist, für die Demokratie, für Frieden und Toleranz einzustehen. "Deshalb verleihen wir beim diesjährigen Bürgerempfang auch die städtischen Ehrenplaketten an eine Frau und einen Mann, die sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für die Gedenkkultur engagieren. Beide gehören zu den zentralen Akteuren, die dafür gerungen haben, das Hotel Silber als Gedenk- und Erinnerungsort zu erhalten und einzurichten. Dafür möchten wir ihnen mit dieser Auszeichnung danken. Sie sind extrem wertvoll für die Stadt Stuttgart, was die Erinnerungsarbeit angeht."

In Stuttgart engagieren sich rund 130.000 Menschen ehrenamtlich, das ist ein Viertel der Stadtbevölkerung. Die Form des Engagements verändere sich, so der Oberbürgermeister, werde punktueller. Er unterstrich, dass das Ehrenamt keine Sparbüchse für die Stadt sei, "sondern eine wichtige Ergänzung und Kernstück", die mit entsprechender Infrastruktur, Beratung und Unterstützung gefördert werden müsse.

Elke Banabak engagiert sich für Erhalt des Hotels Silber

Elke Banabak engagiert sich seit 2008 für den Erhalt und die Ausgestaltung des Hotels Silber. Sie war seit der Vereinsgründung der "Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber" bis zur Übernahme der hauptamtlichen Geschäftsführung Anfang 2019 stellvertretende Vorsitzende des Vereins. Seit Januar 2019 ist sie hauptamtliche Geschäftsführerin bei der "Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber". Sie war Mitglied der AG Ausstellung, ist Mitglied des Programmbeirats für gemeinsame Veranstaltungen des Hauses der Geschichte sowie des Vereins und stellvertretendes Mitglied im Verwaltungsrat und am "Runden Tisch" der "Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber". Seit zwei Jahren vertritt Elke Banabak die "Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber" im Organisationsteam für die deutsch-italienischen Jugendcamps, die auf die Initiative von Staatsrätin Erler hin seit 2017 jährlich im August in Sant´Anna di Stazzema stattfinden. Weiterhin ist sie im Mauthausen Komitee Stuttgart bei der Vorbereitung und Durchführung von jährlichen Fahrten für Schüler und Schulklassen zu den Befreiungsfeiern im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen Anfang Mai engagiert.

Harald Stingele ist Koordinator der Stolperstein-Initiativen

Harald Udo Stingele ist seit 2004 stadtteilübergreifender Koordinator der Stolperstein-Initiativen in Stuttgart. Er hat beim Jugendamt mit zum Gedenken und Denkmal der "Mulfinger Kinder" beigetragen. Stingele war jahrelanger Mitarbeiter des Stuttgarter Jugendamts und dort in der internen Fortbildungsabteilung Qualität und Qualifizierung tätig. Stingele hat mehrere Aufsätze und Bücher geschrieben beziehungsweise verlegt und ist Herausgeber des Buchs "Stuttgarter Stolpersteine". Von 2008 bis 2011 war er als Vorstand im Aktionsbündnis gegen den geplanten Abriss des Hotels Silber. Seit 2012 ist er als Vorstand im daraus gegründeten Verein "Lern- und Gedenkort Hotel Silber" tätig.

Stadt verleiht seit 1998 die Ehrenplakette

Die Ehrenplakette der Landeshauptstadt Stuttgart
Der Gemeinderat hat am 25. September 1997 die Stiftung der "Ehrenplakette der Landeshauptstadt Stuttgart" beschlossen. Mit dieser neben der Ehrenbürgerschaft und der Bürgermedaille dritten Ehrungsmöglichkeit der Stadt sollen Bürgerinnen und Bürger ausgezeichnet werden, deren Engagement für die Gesellschaft in Art und Umfang vorbildlich ist.

Die Ehrenplakette ist Dank und Auszeichnung für Verdienste, die sich Bürgerinnen und Bürger um die Belange der Stadt durch ehrenamtliche Tätigkeit, insbesondere in den Bereichen Soziales, Gesundheit, Kultur, Bildung, Sport, Umwelt und Sicherheit erworben haben. Die Verdienste können sowohl in Vereinen und Organisationen als auch im persönlichen Bereich erbracht worden sein. Die ehrenamtliche Tätigkeit sollte mindestens 15 Jahre betragen haben. Die Ehrenplakette ist als Anstecknadel gearbeitet. Sie besteht aus einem plastisch gearbeiteten springenden Ross aus Silber mit dem Schriftzug "Stuttgart".

Bisherige Träger der Ehrenplakette der Landeshauptstadt Stuttgart