Stuttgarter Modell "Kooperatives Gewerbegebietsmanagement "

Die Transformation ist in vielen Stuttgarter Gewerbegebieten in vollem Gange. Sich veränderte Arbeits- und Produktionsbedingungen nehmen Einfluss auf Standortanforderungen und Flächenbedarfe von Unternehmen. Der wirtschaftliche Strukturwandel verändert die Nutzungsstruktur und Prägung in vielen Arbeitsstättengebieten, das erfordert strukturelle Anpassungsprozesse. Häufig fehlt vor Ort eine klare Vision, eine definierte und abgestimmte Entwicklungsperspektive, insbesondere für die Gewerbestandorte, die zunehmend hochqualifizierte Beschäftigte beherbergen. Der daraus resultierende Anspruch der Unternehmen und weiterer Akteure an den jeweiligen Gewerbestandort muss definiert werden, und diese Quartiere müssen - zum Erhalt und zur Stärkung der Wirtschaftskraft des Standorts Stuttgart - zeitgemäß weiterentwickelt werden. Dies erfolgt u.a. durch die Erarbeitung von räumlichen Masterplänen, eine städtebauliche Qualifizierung und die Anpassung der Infrastruktur. Die proaktive Begleitung, Steuerung und das Management der Gewerbestandorte, aber auch mögliche Kooperationen und Synergien der Akteure vor Ort stellt eine weitere Herausforderung dar.

Mit der Entwicklungskonzeption Wirtschaftsflächen für Stuttgart (EWS) wurden die strategischen Grundlagen für die Sicherung, Mobilisierung und Entwicklung von Gewerbeflächen für die Stadt Stuttgart aufgearbeitet, so wurde ein neuer "produktiver Blick" auf die Stadt ermöglicht. Die EWS ist ein handlungsorientiertes, gesamtstädtisches, sektorales Konzept, sie ist Teil der integrierten Stadtentwicklungsplanung. Ausgehend von einer Analyse der wirtschaftlichen und der räumlichen Situation wurden Ziele und Handlungsfelder definiert, Entwicklungen und Maßnahmen für Teil- bzw. Fokusräume erarbeitet sowie Leitprojekte und ein Handlungsprogramm entwickelt. Darunter findet sich auch das Leitprojekt "Gewerbegebietsmanagement/ Standortinitiativen".

Vor diesem Hintergrund hat das Amt für Stadtplanung und Wohnen und die Abteilung Wirtschaftsförderung gemeinsam mit privaten Partnern (WIV e.V. und GHV Feuerbach und Weilaktiv) das Modell eines Kooperativen Stuttgarter Gewerbegebietsmanagements als Orientierungsrahmen und Arbeitsgrundlage für die (sehr) großen Gewerbestandorte in Stuttgart erarbeitet. Die Vorbereitungs- bzw. Etablierungsphasen für ein spezifisches Gebietsmanagement zeigen jeweils die Handlungserfordernisse auf und erarbeiten im Dialog mit lokalen Akteuren Lösungswege und Handlungsansätze sowohl für die jeweiligen Gewerbequartiere als auch für das operative Gewerbegebietsmanagement. Zudem werden in der Vorbereitungsphase Gebietskonferenzen in den Gewerbegebieten durchgeführt, in denen die Themen und Inhalte kooperativ erarbeitet und abgestimmt werden. Weiter dienen die Gebietskonferenzen zur Aktivierung und Sensibilisierung der Unternehmer und Eigentümer.

Die Vorbereitung eines Gewerbegebietsmanagements wird aktuell in drei aus dem Handlungsprogramm der Entwicklungskonzeption Wirtschaftsflächen für Stuttgart (EWS) abgeleiteten Teilräumen durchgeführt. Als mit rund 40.000 € gefördertes Modellprojekt wird das "Gewerbegebietsmanagement SynergiePark PLUS" für das Gewerbequartier SynergiePark Stuttgart in Vaihingen/ Möhringen erarbeitet. Als weiteres Projekt verfolgen die Partner seit 2017 die Etablierung eines kooperativen Gewerbegebietsmanagements im Arbeitsstättengebiet Feuerbach-Ost. Hinzugekommen ist der Gewerbestandort Weilimdorf, in dem seit Sommer 2019 mit der Etablierungsphase des Kooperativen Gewerbegebietsmanagements begonnen wurde.

Das Stuttgarter Modell "Kooperatives Gewerbegebietsmanagement " verbindet das Planen, Steuern und Qualifizieren von Standorten, Akteuren, Projekten, Einzelmaßnahmen etc. zum Erhalt und zur Weiterentwicklung von Stuttgarter Wirtschaftsflächen. Der Mehrwert dieses Managementansatzes sind einerseits die intensive Kooperation der interdisziplinären Partner sowie der Aufbau auf bestehende Strukturen und Initiativen vor Ort. Andererseits die Verknüpfung der planerisch-räumlichen Entwicklungsperspektive mit den klassischen wirtschaftsfördernden Tätigkeiten. So kann ein umfassender und integrierter Handlungsansatz gewährleistet werden. Zudem wird durch ein Gewerbegebietsmanagement als Vermittler und "Sprachrohr" zwischen öffentlichen und privaten Akteuren die Stärkung und Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandortes Stuttgart wie auch der einzelnen großen Gewerbequartiere in enger Kooperation mit den Akteuren aus den Gebieten verfolgt. Dieser Entwicklungsansatz basiert auf einem kooperativen Vorgehen und erzeugt einen Mehrwert für alle Beteiligten (Standortsicherung, Umfeldqualifizierung, verbesserte Angebotssituation, Mitarbeiteraquirierung, etc. ...).

Handlungsfelder eines Gewerbegebietsmanagements werden standortspezifisch definiert, i.d.R. werden folgende Themenbereiche fokussiert:

  • Steuerung von Kommunikations-, Netzwerk- und Kooperationsprozessen
  • Verkehr und Mobilitätsmanagement
  • Städtebauliche Aufwertung
  • Energetische und nachhaltige Weiterentwicklung
  • Standortentwicklungsleitbild (räumliche Entwicklungsperspektive/ Masterplan)
  • Flächen(entwicklungs)management/ Standortentwicklung
Ein wesentliches Merkmal des Kooperativen Gewerbegebietsmanagements ist es zudem, die Unternehmen in den betreffenden Gewerbequartieren in die Umsetzung des Gewerbegebietsmanagements einzubeziehen. Die kooperative Erarbeitung von standortspezifischen räumlichen Entwicklungsperspektiven und die gemeinsame Definition der jeweiligen Handlungsfelder eines Gewerbegebietsmanagements ist Voraussetzung dafür, sodass die Ideenentwicklung und letztlich auch die Umsetzung von allen Beteiligten vor Ort mitgetragen werden.

Das Stuttgarter Modell "Kooperatives Gewerbegebietsmanagement" wird als dauerhafte Aufgabe in den großen Gewerbequartieren angesehen. Es werden sowohl strategische als auch operative Aufgaben wahrgenommen. Die operative Zuständigkeit der Umsetzung des Gewerbegebietsmanagements ist im Tandem von Wirtschaftsförderung und Stadtplanung vorgesehen. Modelloptionen zur Organisation des Stuttgarter Modells Kooperatives Gewerbegebietsmanagement sind standortspezifisch auszurichten. Die jeweiligen Modelle wurden im Zuge der jeweiligen Etablierungsphasen in Kooperation mit den Akteuren vor Ort geklärt sowie mögliche Kooperationspartner für das Kooperative Gewerbegebietsmanagement identifiziert. Im Folgenden sind die laufenden Projekte zum Gewerbegebietsmanagement dargestellt.

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