Presse
  •  

Verfassungsrichterin Gertrude Lübbe-Wolff mit dem Hegel-Preis der Landeshauptstadt Stuttgart ausgezeichnet

24.07.2012 Kultur
Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster hat am Dienstag, 24. Juli, den 15. Hegel-Preis der Landeshauptstadt Stuttgart an die Verfassungsrichterin Professor Dr. Gertrude Lübbe-Wolff überreicht. Bei der Preisverleihung im Großen Sitzungssaal des Rathauses hielt der ehemalige Verfassungsrichter Prof. Dr. Dieter Grimm die Laudatio auf die Preisträgerin.

"Mit Frau Professor Lübbe-Wolff bekommt zum ersten Mal eine Wissenschaftlerin und hoch angesehene juristische Praktikerin, die Richterin am Bundesverfassungsgericht ist, den Hegel-Preis. Dies ist eine besondere Freude. Frau Professor Lübbe-Wolff gilt als Pionierin des Umweltrechts und war in ihrer beruflichen Laufbahn auch in einer Stadtverwaltung in leitender Stellung tätig. Sie zeigt, dass die Philosophie Hegels auch in der politischen Praxis eine Rolle spielt. Die Jury darf ich zu dieser Wahl beglückwünschen", zeigte sich OB Schuster erfreut.

"Was Gertrude Lübbe-Wolff auszeichnet, ist gerade nicht das Kreisen um einen philosophischen Fixpunkt, sondern ein doppelter Brückenschlag: der zwischen Philosophie und Jurisprudenz und der zwischen Rechtswissenschaft und Rechtspraxis", stellte der ehemalige Verfassungsrichter Prof. Dr. Dieter Grimm in seiner Laudatio fest. "Für Rechtsprechung gibt es keinen Hegel-Preis. Aber die wissenschaftliche und persönliche Haltung hat ihn sehr wohl verdient." Mit der Auszeichnung würdigt die Landeshauptstadt Stuttgart die wissenschaftliche Arbeit der Juristin, die sich in ihren Studien intensiv mit der Hegelschen Rechtsphilosophie befasst. "Aus ihrer Interpretation der politischen Philosophie Hegels zieht Gertrude Lübbe-Wolff die Konsequenz, das öffentliche Recht vor allem mit der Aufgabe zu versehen, Gemeinwohlorientierungen derart in institutionellen Arrangements zu verstetigen, dass bloß moralische Appelle überflüssig werden", begründet die Jury ihre Auswahl.

Die Preisträgerin

Gertrude Lübbe-Wolff wurde am 31. Januar 1953 in Kärnten geboren. Sie studierte von 1969 bis 1977 Rechtswissenschaften in Bielefeld, Freiburg und an der Harvard Law School (LLM). 1980 folgte die Promotion in Freiburg, 1979 bis 1987 war sie wissenschaftliche Assistentin an der Universität Bielefeld mit anschließender Habilitation für die Fächer öffentliches Recht, Verfassungsgeschichte der Neuzeit und Rechtsphilosophie. Weitere Stationen waren: 1988 bis 1992 Leiterin des Umweltamtes der Stadt Bielefeld; seit 1992 Professorin für Öffentliches Recht an der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Bielefeld; seit April 2002 Richterin am Bundesverfassungsgericht. Die Preisträgerin ist Mitglied in zahlreichen Herausgebergremien von Fachzeitschriften. Sie ist verheiratet und hat vier Kinder.

Funktionen in verschiedenen Gesellschaften und Instituten, unter anderem

  • Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats des Wissenschaftskollegs zu Berlin (2003-2009)
  • Geschäftsführende Direktorin des Zentrums für interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld (1996-2002)
  • Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Instituts für Umweltrecht der Universität Bielefeld (1994-2002)

Politikberatende Funktionen in verschiedenen Gremien, unter anderem

  • Vorsitzende des Rates von Sachverständigen für Umweltfragen (2000-2002)
  • Mitglied der Jury Wissenschaftspreis des Deutschen Bundestages für Arbeiten zum Parlamentarismus (1993-2000)
  • Mitglied des Ausschusses für Rechtsfragen des Beirats für Fragen des Kernenergieausstiegs beim niedersächsischen Umweltministerium (1992-1998)
  • Mitglied der Enquete-Kommission Parlamentsreform der Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg (1992)

Auszeichnungen, unter anderem

  • Honorary Bencher, The Honourable Society of Middle Temple Inn
  • Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (2000)

Die Auszeichnung

Der "Hegel-Preis der Landeshauptstadt Stuttgart" ist mit 12 000 Euro dotiert und wird in Zusammenarbeit mit der Internationalen Hegel-Vereinigung alle drei Jahre an Persönlichkeiten verliehen, die sich um die Entwicklung der Geisteswissenschaften im weiten Sinne verdient machen oder gemacht haben. Er gilt international als eine der wichtigsten philosophischen Auszeichnungen. Er wurde erstmals 1970 anlässlich Hegels 200. Geburtstag an den Altphilologen Professor Dr. Bruno Snell vergeben.
Mehr Informationen, Audio-Mitschnitte und Redemanuskripte  im Internet unter www.stuttgart.de/hegelpreis.